Influencer-Marketing. Mit Sicherheit eines der Wörter, die häufiger auf Bullshit-Bingos landeten, als alle anderen bingowürdigen Begriffe 2016 zusammen. Das Influencer-Marketing grundsätzlich funktionieren kann, daran besteht kein Zweifel. Fast alle großen Unternehmen quer durch alle Branchen haben schon mit Bloggern, YouTubern oder Instagrammern zusammengearbeitet und durchaus ordentliche Erfolge erzielt. Nehmen wir z.B. Lena Meyer-Landrut auf Snapchat für die streikgeplagte Lufthansa, Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf für die Sparkasse, oder Sallystortenwelt, von deren beachtlichen Einfluss auf den Vertrieb von Küchenmaschinen ich erst kürzlich erfahren habe.

Fakt ist…

…Influencer-Marketing funktioniert! Zumindest, wenn Produkt und Marke mit den Überzeugungen des Influencers und dessen Zielgruppe zusammenpassen.

Für Unternehmen stellt sich also die Frage: „Wie finden wir diesen Heilbringer für unsere Digital-Strategie?“.

Nur selten befindet sich in den eigenen Reihen ein geeigneter Digital, auf den zurückgegriffen werden kann. Die Wahrscheinlichkeit, zufällig in der Websuche auf einen zu stoßen, ist ebenfalls gering.

Influencer finden

Im Netz lassen sich schnell einige Agenturen finden, die ein Netzwerk aus Bloggern oder YouTubern im Repertoire haben. Oft sind diese jedoch nur für große Marken erschwinglich, kleinere und mittelgroße Unternehmen werden bei diesen Agenturen schnell an die Grenze des Marketing-Budgets stoßen.

Eine weitere Möglichkeit, einen geeigneten Marketing-Partner zu finden, bieten spezielle Influencer-Suchmaschinen (Buzzsumo oder Influma). Durchaus eine gute Variante für überregional agierende Firmen. Per Zielgruppen-Definition lassen sich die potentiellen Geschäftspartner herausfiltern und nach Reichweiten sortieren (manchmal benötigt man für derlei Funktionen einen kostenpflichtigen Business-Account). Möglichkeiten sind meistern da. Doch was, wenn nicht?

Die Hürde mit der Regionalität

Die Verlierer des Influencer-Marketings, wenn man sie denn so nennen darf, sind die stark in der Region agierenden Unternehmen. Denn da ist es beinahe unmöglich, einen geeigneten Influencer zu finden, bei dem keine massiven Streuverluste erfolgen.

Nehmen wir das Beispiel eines großen Pferde-Hofs, der nebst Pferdefutter, Zaum- und Sattelzeug auch noch Dienstleistungen, wie Reitstunden oder Therapien für die Tiere anbietet (Bekannte haben einen solchen kürzlich eröffnet). Eine Zielgruppe für eine Werbekampagne lässt sich schnell finden: „Pferdebesitzer zwischen 18-65 und junge Familien mit kleinen Töchtern“. Beim Kampagnenziel muss schon genauer hingeschaut werden

Klassischer Produktverkauf

Theoretisch könnte weltweit verkauft werden. Regionale Begrenzungen gibt es im Online-Shop nicht. Ein passender Influencer sollte also zu finden sein, sodass die Produkte unseres Beispiel-Hofes in der Zielgruppe Beachtung finden. Ob sich der ganze Aufwand für den Hof lohnt, steht auf einem anderen Papier. Schließlich gibt es im Web durchaus namenhafte Konkurrenten für Pferdebedarf und dafür, dass der überregional bekannte Influencer sich amortisiert, wird sehr viel Umsatz nötig sein.

Anders verhält es sich beim Angebot mehr oder weniger regionaler Dienstleistungen. Hier gibt es keine oder nur wenig Mitbewerber. Eine Imagekampagne, die die tollen Leistungen des Hofes hervorstellt, kommt in der Zielgruppe definitiv an, doch wieviel Streuverlust muss man eingehen?

Die Image-Kampagne

Eine deutschlandweite Image-Kampagne, in der Hoffnung, dass die Pferdefreunde mal eine Reise unternehmen? Ein Influencer mit Pferde-Freunden in der Community findet sich bestimmt, aber ob sich das dann lohnt, wage ich sehr zu bezweifeln… d. h. viel Streuverlust.

Eine regionale Image-Kampagne, die Interessierte dazu bringen soll, sich mal den Hof genauer anzuschauen? Das Ziel passt. Der Streuverlust wäre gering. Doch welcher Influencer soll diese Kampagne unterstützen und genießt dabei eine solch große regionale Bekanntheit, dass man ihn überhaupt Influecer nennen darf? Der perfekte Influencer für eine solche Kampagne genießt also eine große, rein aus der Region stammende, Community. Ganz ehrlich, wo außerhalb der Metropolen gibt es solche Micro-Influencer?

Mein Fazit

Influencer-Marketing ist definitiv eine gute Sache und richtig angewendet, unterstützt es sowohl Bekanntheit als auch Umsatz von Unternehmen. Es ist aber falsch zu denken, dass es ein Allheilmittel ist, das jegliche Umsätze ankurbeln und Popularität sinnvoll steigern kann. Dafür sind die Hürden beim Finden dieser neuen Werbepartner teilweise einfach zu groß.


Kennt Ihr einen rein regionalen Influecer, der bereits mit Unternehmen erfolgreich zusammengearbeitet habt? Vielleicht ein Musiker für ein Musikhaus oder ein Komiker für eine Buchhandlung? Ich freue mich über Hinweise!


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