„Content-Marketing killt Journalismus“ – eine Aussage zum Jahresbeginn von Hans-Peter Siebenhaar für das Handelsblatt. Das dies eine wenigstens geringe Übertreibung ist, haben bereits andere zu genüge dargestellt (#1, #2). Doch dieser Artikel brachte mich dazu, mir erneut einige Gedanken zu dem Thema zu machen. Vielleicht liegt Herr Siebenhaar doch irgendwie in einer gewissen Weise richtig.

Die Content-Flut

Dass wir mittlerweile unzählige Quellen haben, von denen Neuigkeiten auf uns einprasseln, ist nichts Neues. Diese Nachrichten-, oder auch Content-Flut, trägt mit Sicherheit zu unserer fallenden Aufmerksamkeitsspanne bei. Ob sie jetzt größer, genauso groß oder tatsächlich kleiner, als die eines Goldfisches ist, lassen wir mal dahingestellt. Fakt ist, es gibt zu viele Informationen im Netz, als dass sie tatsächlich konsumiert werden können. Je nach Thema, sollten Informationen auch noch auf ihren Wahrheitsgehalt oder zumindest auf ihre Plausibilität geprüft werden. Nochmals ein Zeitaufwand, der neben Familie, Beruf und Hobbys erstmal betrieben werden muss. Kein Wunder also, dass Texte mittlerweile vielmehr gescannt als gelesen werden. Das mache ich meistens genauso, wenn ich durch Feedly scrolle (App-Empfehlung!).

Input ≠ Output

Dadurch, dass immer mehr Content erstellt wird, hat der potentielle Leser auch immer mehr Quellen zur Verfügung, sich seine Informationen zu besorgen. Mehr Zeit hat er dadurch aber nicht. Dass jedes Unternehmen qualitativ hochwertige Inhalte für Publikationen erstellen möchte, ist löblich und absolut nachvollziehbar. Ob der von vielen Unternehmen betriebene Aufwand beim Durchführen einer eigenen Content-Marketing-Strategie tatsächlich auch immer zu einem Umsatzplus oder einer größeren Markenbekanntheit führt, ist mindestens zu hinterfragen. Input kann nicht gleich Output sein, doch es sollte in einem gesunden Verhältnis stehen. Ich brauche keine Corporate-Blogs, in denen mir Schreibgeräte-Hersteller DIY-Kalender vorstellen oder Autoreifen-Firmen mir Urlaubstipps geben. Wenn das mit einem geringen 2-3 Personen-Aufwand betrieben werden kann, dann stimmt für mich das Verhältnis. Haben wir dahinter ein Zehn-Mann/Frau-Team, dann passt das nicht.

Das Böse?!

Ich denke in vielen Fällen wird von Unternehmensseite zu viel Aufwand für zu wenig Nutzen betrieben. Das kann betriebswirtschaftlich auf Dauer nicht gut gehen. Daraus ergibt sich für mich eine Frage: „Warum setzen Marketer nicht vermehrt auf Native Advertising?“. So, jetzt ist es gesagt. Ich weiß, dass bei dem Begriff sämtliche Verbraucherschützer ihre Fußnägel wieder runterrollen müssen, doch ich spreche auch nicht von einer versteckten Form; ich spreche von einer ganz offensiven und transparenten. Es muss nicht versteckt sein, damit gute Klickzahlen erreicht werden, das konnte ich bei eigenen Versuchen in Regionalzeitungen erfahren. Native Ads: Die Verleger freuen sich über verkaufte Anzeigenplätze und qualitativ hochwertigen Content und die Unternehmen haben bei den Medienhäusern eine (noch) hohe Reichweite und steigern damit ihre Bekanntheit bzw. ihre Absatzzahlen. Und das alles ohne das aufwändige, wöchentliche Bespielen des Corporate-Blogs oder der Facebook-Seite mit 2500 Likes…

Journalismus und Content-Marketing darf in keiner Konkurrenz zueinander stehen, es muss Hand in Hand arbeiten und professionelle Native Ads, die dem Leser einen echten Mehrwert bieten, sind dafür der perfekte Weg. Liebe Redakteure und Verleger: „Ich wünsche mir mehr Werbung!“. Björn Ende.


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7 Gedanken zu “Ich wünsche mir mehr Werbung!

  1. Bin auch der Meinung, dass Unternehmen mehr Native Advertising machen sollten, aber das schließt doch eine Content-Marketing-Strategie nicht aus oder? Außerdem muss ich für Native Advertising als Unternehmen ja auch Content produzieren, um Anzeigeplätze kaufen zu können. Also ist es nur eine Art der Content Distribution, neben dem eigenen Blog oder der Facebook-Seite.

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    1. Auf keinen Fall. Eine ordentliche Strategie sollte unbedingt vorhanden sein, die Gewichtung der einzelnen Bausteine muss aber definitiv überdacht werden. Beispielsweise muss ein Versicherer m.E. nicht 3 Beiträge pro Woche im eigenen, spärlich besuchten Blog publizieren. Da reicht ein einziger, der dann sowohl im Blog als auch als Native Ad auf einer Nachrichten-Seite erscheint. Weniger Zeitaufwand (= Kosten) und größere Wirkung.

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  2. Das mit den zu vielen (falschen) Quellenmerke ich jedes mal, wenn irgendwo im Netz eine politische Diskussion aufbrennt. Spätestens bei Trump haben wir dann ja die Auswirkungen gesehen. Zur Werbung: Es gibt ja auch echt kreative und gut gemachte Werbung, dafür wird ja glaube ich auch jährlich ein Preis verliehen

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    1. Vollkommen richtig; und leider kann diese „Fake-News“-Inflation nicht einfach unbeachtet bleiben. Bin gespannt, wie die Kugel weiterrollt.
      Werbepreise gibt es wie Sand am Meer – meistens werden aber wohl schon ordentliche Kampagnen ausgezeichnet. 😉

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