Ich würde mich niemals als lesefaulen Menschen bezeichnen: ganz im Gegenteil. Täglich lese ich dutzende Texte auf den Online-Präsenzen von Nachrichten-Portalen oder Fachmagazinen. Ich stöbere durch etliche Newsletter, forsche mich durch Weblogs und finde in meinen Facebook- oder Twitter-Newsfeed immer wieder interessante Texte. Außerdem scrolle ich täglich zigfach durch meine Feedly-App (nochmals: klare Empfehlung dafür!)

Märchenhafte Lektüren

Von lesefaul kann also ganz gewiss nicht die Rede sein. Es sei denn, es geht um gedruckte Bücher. Ja, ich habe daheim ein Bücherregal. Sogar ein großes. Sollte ich aber aus den darin befindlichen Werken eine Inhaltsangabe von mir geben, wäre diese ähnlich detailliert wie das AfD-Parteiprogramm – wenn auch besser. Der Punkt ist: seit einigen Jahren lese ich kaum noch gedruckte Bücher. Das war früher anders. Zwar war ich nie die Leseratte, die alle Harry Potter-Bände am Stück hinuntergeschlungen hat oder vor jeder Verfilmung im Kino erst mal das Buch gelesen haben musste, doch ich habe Bücher gelesen. Meine ersten eigenen Lesererfahrungen sammelte ich bei klassischen „Kinder“-Märchen à la Dornröschen und Hans im Glück. Weshalb das „Kinder“ in Gänsefüßchen steht? Weil manche dieser Märchen heute wohl mit FSK 18 gebrandmarkt wären. Eine kannibalische Hexe, die bei lebendigem Leibe verbrannt wird; Schwestern, die sich die Fersen abschneiden um in einen gläsernen Schuh zu passen; und ein an ADHS-erkrankter Junge, dem die Finger abgeschnitten werden, damit er nicht mehr zappelt… – schöne Märchen sind das.

Nachdem mich oben genannte Märchen genug angefixt hatten, ging ich zum Teenager-Horror-Genre über. Die Buch-Reihen „Gänsehaut“ und „Fear Street“ zogen mich in einen unglaublichen Bann, so dass meine Eltern fast ein kleines Vermögen für immer weitere Bücher dieser Reihen ausgeben mussten (Danke!).

Die RTL II Manga-Zeit

Da ich als Brillenloser im pubertierenden Alter aber nicht wirklich zur „Das Buch ist viel besser als der Film“-Gruppe gehören konnte, ging ich zu Mangas über. Bis heute habe ich die Reihe „Hunter X Hunter“ und „Black Cat“ sehr gut in Erinnerung – und natürlich Dragonball (Chala-head-Chala!).

Doch dort endet es dann. Noch 1x im Jahr ein Buch rausgeholt, mit in den Urlaub genommen, drei Kapitel überflogen, Lesezeichen reingeknallt, nie wieder aufgemacht (bis heute). Man könnte fast meinen, ich hatte mehr Lesezeichen als Bücher…

So zog sich das die restliche Schulzeit durch. Und auch nach meinem Berufseinstieg konnte ich die große Lesebegeisterung für Print-Produkte nicht wiederfinden. Dabei hätte ich nach getaner Arbeit eigentlich die Zeit dazu – schließlich muss nichts mehr gelernt werden, wie es früher der Fall hätte sein sollen. Doch ganz ehrlich: abends bin ich zu bequem. Ein Buch zu lesen ist anstrengender, als sich vom TV-Programm oder VoD berieseln zu lassen. Also wählte ich immer die Berieselung.

Bis letzte Woche!

Über das inzwischen beendete #Yolocaust-Projekt bin ich auf deren Initiator Shahak Shapira gestoßen. Einen in Israel geborenen Juden, der mit 14 nach Laucha in Sachsen-Anhalt gezogen und dadurch ins Jahr 1933 gereist ist. Ich stieß auf sein Buch „Das wird man ja wohl noch schreiben dürfen!„* und habe es mir über den großen Amazonas herschippern lassen. Nach 3 Tagen hatte ich es durchgelesen. Es beinhaltet genau meinen Humor und entspricht ziemlich exakt meinen Wertvorstellungen -> Das ist jetzt der Moment, in dem ich die Lektüre aktiv weiterempfehle. Lest es, setzt euch mit den Themen auseinander und habt so viel Spaß dabei, wie ich es hatte. Vielleicht hätte ich es sogar noch schneller zu den Büchern mit Lesezeichen in mein Regal stellen können, wenn ich nicht etliche Passagen mehrfach gelesen hätte; einfach, um nochmal darüber zu Schmunzeln.

Ergebnisoffen

Ich weiß selbst noch nicht, ob das jetzt ein einmaliges Erlebnis für mich war, oder ob ich zukünftig wieder öfter einen Blick auf diese Art von bedrucktem Papier werfen werde (mit im Päckchen vom Amazonas war „Alles, alles über Deutschland: Halbwissen kompakt„* von Erdogans Staatsfeind Nr. 1 in Deutschland). Eines kann mir definitiv keiner nehmen (und das ist nicht nur die pure Lust am Leben) – ich hab jetzt schon ein komplettes Buch in 2017 geschafft. Das ist mehr, als die vergangenen 8 Jahre zusammen!


Dir gefallen meine Beiträge? Unten kannst du sie abonnieren! 🙂

*Affiliate-Links zu Amazon.de

4 Gedanken zu “Lesen ist nicht Lesen

  1. Ich bin eigentlich auch alles andere als lesefaul, und es gibt Zeiten, da verschlinge ich die Bücher am Stück. Doch das berieseln durch Netflix am Abend ist definitiv einfacher, wie du sagst. Das Buch von dem du sprichst werde ich mir auch mal näher angucken, klang ganz interessant

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s